Der Pirat mit der Gartenschaufel

Heute will ich euch eine lustige Piratengeschichte von Ole erzählen.

Ole war mit Abstand der schlechteste Pirat, der je über die Meere gesegelt ist.

Das kam daher, dass Ole nie richtig gelernt hatte wie man ein Pirat ist. Eigentlich war er Gärtner im Palast des Königs gewesen. Dort hatte er von den Seeräubern gehört, die über die Weltmeere segeln und wertvolle Schätze finden. Das hatte sich gut angehört. Deshalb hat Ole sich entschieden Pirat zu werden.

Ole heuerte auf der unsinkbaren Marta an. Das war das Piratenschiff von Kapitän Sammy Säbelrost.

Doch dort hatte Ole es nicht leicht, denn die anderen Piraten nahmen ihn nicht ernst und machten sich über ihn lustig.

Warum das so war?

Das hat schon an seinen ersten Tag bei den Piraten angefangen. Da kam Ole mit seiner grünen Gärtnerlatzhose und mit seiner Gartenschaufel in der Hand zum Schiffshafen marschiert.

Die Piraten sahen ihn komisch an. „Wie willst du denn mit der Schaufel Gold und Silber erbeuten?“ fragten sie lachend. „Piraten brauchen einen Säbel!“

Auch mit der Piratensprache tat Ole sich schwer. Am ersten Tag hatte er anstatt „Ahoi“ ganz laut „Arrroi“ gerufen. Und noch heute sagt er immer „Eieiei“ anstatt „Aye, Aye, Kapitän“. Dann brechen die anderen Piraten immer in großes Gelächter aus.


Doch das war nicht das einzige, was bei Ole schief ging. Kennt ihr die schwarze Piratenflagge mit dem Totenkopf? Die Flagge soll Angst und Schrecken verbreiten.

Nun ja, beim letzten Überfall hat Ole anstatt der schwarzen Totenkopfflagge aus Versehen sein grünes Handtuch an den Fahnenmast gehängt. Das war ganz schön peinlich gewesen für die Piraten. Wer fürchtet sich denn schon vor einem grünen Handtuch?


Die Segel setzen

Mit der Zeit verloren die anderen Piraten die Geduld.

„Dieser Ole ist uns zu nichts Nutze!“ beschwerten sie sich beim Kapitän. „Wir sollten ihn vom Schiff werfen.“

Doch der alte Kapitän Säbelrost war ein geduldiger Mann. Er wollte dem Neuling noch eine Chance geben.

„Ole,“ sagte der Kapitän mit ernster Stimme, „du hilfst jetzt der Mannschaft, die Segel zu setzen. Aber das ist deine letzte Chance. Wenn du das wieder vermasselst, dann setzen wir dich im nächsten Hafen aus.“

„Eieiei Kapitän!“ rief Ole begeistert. Segel setzen, das hörte sich leicht an.

Ole machte sich gleich an die Arbeit. Er nahm sich ein großes weißes Segel, legte es auf den Boden und setzte sich darauf.

Als der Kapitän das sah, konnte er nur den Kopf schütteln. „Nein, nein, nein! Die Segel setzen, heißt doch nicht, dass du dich auf ein Segel draufsetzen sollst! Segel stezen heißt in der Piratensprache, dass wir die Segel am Mast aufhängen und sie hochziehen.“

„Es ist hoffnungslos mit dir, Ole. Aus dir wird nie ein richtiger Pirat.“


Die Piratenmannschaft wurde langsam ungeduldig. Sie wollten aufs Meer hinaus fahren und Schätze erbeuten.

„Gut, dann lasst uns in See stechen!“ lautete das Kommando von Kapitän Säbelrost.

Was glaubt ihr, was Ole da gemacht hat?

Als Ole hörte in See stechen, nahm er seine Gartenschaufel und wollte damit ins Wasser stechen. Und weil Ole auch etwas schusselig war, kam es wie es kommen musste. Als er mit seiner Schaufel ins Wasser stechen wollte, fiel sie ihm aus der Hand und schwamm mit den Wellen davon.

„Mensch Ole,“ rief der Kapitän, „In See stechen, heißt in der Piratensprache dass wir mit unserem Schiff aufs Meer hinaus fahren.“

Ole wurde sehr sehr traurig. „Meine schöne Schaufel ist weg. Ohne meine Schaufel kann ich noch nicht mal mehr als Gärtner arbeiten“ schluchzte er mit Tränen in den Augen.

Da bekam Kapitän Säbelrost Mitleid mit dem armen Ole. „Sei nicht traurig. Wir holen dir deine Schaufel zurück.“

Der Kapitän ließ den Kurs ändern und sie fuhren mit ihrem Piratenschiff hinter der Gartenschaufel her, die in den Wellen schwamm. Zwei Tage und zwei Nächte segelten sie übers Meer. Dann wurde die Gartenschaufel endlich an den Strand einer Insel geschwemmt.


Ole ging als erster an Land. Er strahlte übers ganze Gesicht, als er seine Schaufel wieder in den Händen hielt.

Doch als Kapitän Säbelrost an Land kam, blieb er schlagartig stehen. „Donner und Doria!“ rief er laut. „Das ist keine gewöhnliche Insel!“

Die Piraten schauten ihn aufgeregt und fragend an.

Kapitän Säbelrost fing an zu erzählen. „Ich kenne diesen Ort aus den Erzählungen der alten Piratenkapitäne. Das dort ist der große Löwenkopf-Felsen. Wenn die Erzählungen wahr sind, dann muss dort am Fuß des Felsens der größte Schatz vergraben sein, den jemals ein Pirat zu Gesicht bekam. Viele Seeräuber haben bereits versucht den Schatz vom Löwenkopf-Felsen zu finden. Doch keinem ist es je gelungen. Bis jetzt. Oles verlorene Schaufel hat uns genau zu der Schatzinsel geführt.“

Die Männer bekamen große Augen und rannten zu dem Felsen, der tatsächlich so aussah wie der Kopf eines Löwens.

Doch dort angekommen folgte die Enttäuschung.

„Der Boden ist so hart.“ jammerten sie. „Wie sollen wir den Schatz denn ausgraben?“

„Lasst mich mal ran.“ sagte Ole. Er nahm seine Schaufel und begann zu graben.

Es dauerte nicht lange, da stieß er auf etwas hartes.

„Gold!“ rief er laut „Da ist alles voller Gold!“

Tatsächlich! Vor ihnen in der Erde lagen mehr Golmünzen als sie je zuvor gesehen hatten. Und nicht nur das. Da waren auch edle Silberbecher, funkelnde Edelsteine und wertvolle Schmuckstücke unter der Erde vergraben.

„Wir sind reich! Wir sind die reichsten Piraten der Welt!“ freuten sich die Männer. Sie hatten den Schatz vom Löwenkopf-Felsen gefunden.


So ist unser Ole doch noch ein richtiger Pirat geworden. Von diesem Tag an hat sich keiner mehr über ihn und seine Schaufel lustig gemacht. Und natürlich sprach auch keiner mehr davon, dass er im nächsten Hafen ausgesetzt werden sollte.


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