Das Haus mit der Mumie

Ellie hielt sich die Haare aus dem Gesicht, damit ihre Mutter die weiße Schminke verteilen konnte. Dann schaute sie in den Spiegel und lachte zufrieden. „Die schönste Geisterprinzessin, die ich je gesehen habe.“

Da kam auch schon Ellies Bruder Nils aus seinem Zimmer. Er war als Skelett verkleidet und klapperte mit den Zähnen. Nils war zwei Jahre älter und sollte heute an Halloween auf seine Schwester aufpassen.

„Bist du endlich fertig?“ fragte er ungeduldig. „Wenn wir nicht bald losgehen, bekommen wir keine Süßigkeiten mehr ab.“

Da hatte er schon ein bisschen recht. Es waren ganz schön viele Kinder unterwegs. Ihnen begegneten Hexen, Fledermäuse, Geister und Monster.

Die Geschwister gingen von Haus zu Haus und ihre Beutel füllten sich mit Bonbons, Lollies, Schokolade und vielem mehr.

„Hier waren wir noch nicht.“ Nils zeigte auf ein Haus, das etwas abseits ganz am Ende der Straße lag.

Es war komplett dunkel. Kein Licht im Haus und auch in der Einfahrt war nichts beleuchtet. Das Haus war heruntergekommen und der Garten sah ziemlich verwildert aus.

Ellie hatte kein gutes Gefühl. „Vielleicht wohnt hier gar keiner.“ sagte sie und wollte schon wieder umkehren.

„Doch!“ widersprach Nils. „Hier steht doch ein Auto. Also wohnt hier auch jemand.“

Als sie näher gingen, kam ihnen ein Junge entgegen gelaufen. „Geht da nicht hin!“ rief er und zeigte auf das alte Haus. „Da drin ist eine Mumie.“

Eine Mumie? Ellie ging ein paar Schritte zurück und schaute ängstlich zu dem Haus.

Doch ihr Bruder wollte jetzt erst recht dort hin. „Überleg doch mal, Ellie.“ sagte er begeistert. „Wenn alle Angst vor dem Haus haben, dann war dort heute noch keiner. Das heißt mehr Süßigkeiten für uns.“

Ellie schüttelte den Kopf. „Ich gehe keinen Schritt weiter.“ sagte sie.

„Wie du willst.“ meinte Nils. „Dann geh ich eben alleine. Aber glaub nicht, dass ich nachher die Süßigkeiten mit dir teile.“

Die kleine Ellie blieb an der Straße stehen und schaute ihrem großen Bruder nach wie er die Einfahrt hoch lief. Dann hörte sie wie Nils an die Tür klopfte.

Er wartete darauf, dass drinnen das Licht angeht und jemand zur Tür kommt. Aber es passierte erst einmal nichts.

Durch die Glasscheibe in der Haustür konnte Nils erkennen, das jemand eine Kerze anzündete. Das war schon etwas seltsam. Wer benutzte denn heutzutage noch Kerzenleuchter?

Dann hörte er drinnen etwas über den Boden schleifen. Das Geräusch kam langsam näher.

„Ahh“ ertönte ein Stöhnen im Hausflur. Dann ging die Tür einen Spalt breit auf und es schob sich ein Fuß dazwischen. Er war in weiße Binden gewickelt.

„Eine Mumie!“ Vor Schreck ließ Nils seine Tüte mit den Süßigkeiten fallen und rannte die Einfahrt hinunter.

„Komm Ellie, bloß weg hier!“ rief er seiner Schwester zu. „Da ist wirklich eine Mumie im Haus.“

Sie rannten so schnell sie konnten und machten erst halt, als sie vor ihrem Haus angekommen waren.

Aufgeregt erzählten sie ihren Eltern, was passiert war. Von dem gruseligen Haus, von der Mumie und wie Nils vor Schreck seine Süßigkeiten verloren hatte.

„Meint ihr das Haus von den Schultes?“ fragte der Vater. „Die sind vorgestern erst eingezogen. Sie haben noch keinen Strom angeschlossen, deshalb ist es dort dunkel im Haus. Und dem armen Herrn Schulte ist beim Umzug eine schwere Kiste auf den Fuß gefallen. Jetzt hat er einen weißen Gips am Bein und kann nur Humpeln. Bestimmt hat er gestönt, weil ihm sein Fuß noch weh tut.“

„Was?“ Niels konnte es nicht fassen. „Dann hab ich also meine ganzen Süßigkeiten umsonst verloren!“

„Glaub ja nicht, dass ich jetzt mit dir teile“, grinste Ellie. Sie nahm ihre Tüte mit den Naschsachen und verzog sich in ihr Zimmer.