Der Schweinehirt Kurzfassung

Einst lebte ein armer Prinz, der nur ein ganz kleines Königreich besaß. Dennoch war es sein großer Wunsch, die Tochter des Kaisers zu heiraten. Um ihr Herz zu gewinnen, schickte er ihr zwei besondere Geschenke: einen süß duftenden Rosenstrauch vom Grab seines Vaters und eine Nachtigall, die wunderschön sang.

Alle Hofdamen bewunderten die Geschenke, doch die Prinzessin mochte sie nicht. Sie hätte lieber eine künstliche Rose und eine Spieldose gehabt. Deshalb wollte sie den Prinzen noch nicht einmal kennenlernen.

***

Der Prinz gab jedoch nicht auf. Er bemalte sich mit Dreck, klopfte an die Pforte und bot dem Kaiser seine Dienste an. Dieser brauchte jemanden zum Schweinehüten und so wurde der Prinz als kaiserlicher Schweinehirt angestellt. Er bekam eine kleine Kammer beim Schweinestall. Dort fertigte er einen niedlichen kleinen Topf mit Schellen ringsherum an, und wenn der Topf kochte, klingelten sie schön und spielten die alte Melodie:

„Ach, du lieber Augustin, alles ist hin!“

Nun kam die Prinzessin mit ihren Hofdamen daherspaziert. Als sie die Melodie hörte, war sie erfreut, denn sie konnte sie auch spielen. Sie ließ fragen, was das Instrument koste.

„Ich will zehn Küsse von der Prinzessin haben,“ sagte der Schweinehirt. „Gott bewahre!“, sagte die Hofdame. Sie traute sich kaum, der Prinzessin die Antwort mitzuteilen. Diese war auch überhaupt nicht darüber erbaut!

Der Schweinehirt Märchen

Doch die Schellen erklangen so lieblich:

„Ach, du lieber Augustin, alles ist hin!“

Der Schweinehirt bestand auf seinem Angebot. So bekam er schließlich zehn Küsse von der Prinzessin und sie erhielt den Topf. Dieser hatte außerdem die Eigenschaft, wenn man den Finger darüber hielt, dass man dann riechen konnte, was in der ganzen Stadt gekocht wurde, ob beim Kammerherrn oder beim Schuhmacher. Das war ein großer Spaß für die Prinzessin und ihre Hofdamen.

***

Unterdessen fertigte der Schweinehirt eine Rassel an, und wenn man die herumschwang, erklangen alle Walzer, Hopser und Polkas, die es gab.

Als die Prinzessin das hörte, ließ sie wieder fragen, was das Instrument koste. Diesmal wollte der Schweinehirt hundert Küsse von der Prinzessin haben. Sie und ihre Hofdamen fanden das sehr unverschämt! Doch die Prinzessin wollte unbedingt die Rassel haben und so küsste sie den Schweinehirten erneut im Schutz ihrer Hofdamen.

Der Kaiser wunderte sich vom Balkon aus über den Auflauf beim Schweinestall und beschloss, nach dem Rechten zu sehen. Als er sah, dass seine Tochter den Schweinehirten küsste, wurde er böse und verstieß beide aus seinem Reich.

Die Prinzessin war sehr unglücklich darüber und bedauerte, dass sie nicht den armen Prinzen genommen hatte.

Da wischte der Schweinehirt sich den Schmutz ab und stand als schöner Prinz vor ihr. Er sprach: „Ich bin nun dahin gekommen, dass ich Dich verachte! Du wolltest keinen ehrlichen Prinzen haben; Du verstandest Dich nicht auf die Rose und die Nachtigall; aber den Schweinehirten konntest Du für eine Spielerei küssen; das hast Du nun dafür!“

Dann ließ er die Prinzessin stehen und ging wieder in sein Königreich zurück. Die Prinzessin hatte nun nichts mehr – nur noch das Lied:

„Ach, du lieber Augustin, alles ist hin!“


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