Der glückliche Prinz – Kurzfassung

Der glückliche Prinz ist ein Kunstmärchen von Oscar Wilde. Hier kannst du es als Kurzfassung lesen:

Einst stand hoch über der Stadt die goldene Statue des glücklichen Prinzen und wurde von allen sehr bewundert.

Die Statue wurde eines Tages von einer kleinen Schwalbe, die auf dem Weg in den Süden war, als Schlafplatz ausgesucht. Als sie sich zwischen die Füße des Prinzen bettete, fiel ein großer Tropfen Wasser herab. Doch es regnete gar nicht. Die Schwalbe erblickte Tränen in den Augen des Prinzen. Voller Mitgefühl fragte sie:

„Warum weinst du denn?“

Der Prinz erzählte: Einst lebte er im Palast Sanssouci und kannte keine Sorgen. Alles um ihn herum war wunderschön und er wurde „glücklicher Prinz“ genannt. Als er starb, wurde er hier als Statue aufgestellt und nun sah er all das Elend in der Stadt. Deshalb müsse er weinen. Er sah ein ärmliches Haus in einer engen Gasse, darin eine Frau, die Kleider für die Hofdamen nähte. Ihre Hände waren ganz zerstochen und ihr kleiner Junge lag mit Fieber im Bett. Das Kind war so durstig und die Mutter ganz traurig.

„Schwalbe, kleine Schwalbe, willst du ihr nicht den Rubin aus dem Knauf meines Schwertes bringen? Meine Füße sind an dem Sockel befestigt und somit kann ich mich nicht bewegen“, bat der Prinz.

Er tat der Schwalbe leid und so flog sie mit dem großen Rubin im Schnabel zum kleinen Haus der Näherin, die vor Müdigkeit über der Arbeit zusammengesunken war. Die Schwalbe legte den kostbaren Rubin zu ihr und kühlte mit Flügelschlägen die fiebrige Stirn des Kindes. Dann flog sie zurück zum glücklichen Prinzen und ihr war innerlich ganz warm, obwohl es schon bitterkalt war.

„Das kommt daher, dass du etwas Gutes getan hast.“, sprach der Prinz.

Am nächsten Tag wollte die Schwalbe weiter nach Süden fliegen, doch der Prinz bat:  „Schwalbe, kleine Schwalbe, willst du nicht noch eine weitere Nacht bei mir bleiben?“ Er sah am anderen Ende der Stadt einen Künstler frierend und hungernd in der kalten Dachkammer sitzen. Der Prinz hatte Augen aus kostbaren Saphiren und bat die Schwalbe, eines davon herauszubrechen und dem jungen Mann zu bringen. Die Schwalbe willigte ein und der Künstler schöpfte neuen Lebensmut.

Am Tag darauf wollte die Schwalbe endlich nach Süden aufbrechen, doch der Prinz bat sie erneut, noch eine Nacht zu bleiben. Unten auf dem Platz stand ein kleines Mädchen, das Streichhölzer verkaufen musste. Sie hatte weder Schuhe noch Strümpfe und nichts auf ihrem kleinen Kopf. Der Prinz bat die Schwalbe, sein anderes Saphir-Auge zu ihr zu bringen. Das kleine Mädchen freute sich über den schönen Stein und konnte wieder fröhlich lachen.

Nun mochte die kleine Schwalbe den blinden Prinzen nicht mehr verlassen. Sie blieb bei ihm, saß auf seiner Schulter und erzählte, was sie in den fremden Ländern Wundersames gesehen hatte.

„Liebe kleine Schwalbe“, sprach der Prinz, „du erzählst mir wundersame Dinge, aber wundersamer als irgendetwas anderes ist das Leiden der Menschen.“ Und er bat sie, ihm zu erzählen, was sie in der Stadt sah. Die Schwalbe erhob sich in die Lüfte und erblickte die Reichen in schönen Häusern, Bettler an den Toren und hungernde Kinder in dunklen Gassen.

„Ich bin über und über mit feinem Gold überzogen.“, sagte der Prinz und bat die Schwalbe, es Blatt für Blatt abzunehmen und den Armen zu geben. Und die Schwalbe brachte jedes Blatt des feinen Goldes zu den armen Menschen. Die freuten sich, dass sie ihren Kindern Brot kaufen konnten. Am Ende sah der glückliche Prinz ganz unscheinbar und grau aus.

Der Winter wurde immer kälter und kälter für die arme kleine Schwalbe und so erfror sie eines Tages zu Füßen des Prinzen. Diesem brach vor Kummer das bleierne Herz entzwei.

Am anderen Morgen erschraken der Bürgermeister und die Ratsherren, weil die Statue nun so schäbig und gar nicht mehr prächtig aussah. Die tote Schwalbe auf dem Sockel missfiel ihnen auch sehr und so ließen sie die Statue abreißen. Aus dem Blei sollte eine neue Statue gegossen werden und jeder der Stadträte wollte sich selbst dargestellt sehen.

Doch das zerbrochene bleierne Herz des Prinzen wollte im Ofen nicht schmelzen. So wurde es einfach weggeworfen. Dorthin, wo auch die erfrorene Schwalbe lag.

Das sah Gott und sagte zu seinem Engel: „Bringe mir die beiden kostbarsten Dinge aus dieser Stadt.“ Der Engel brachte ihm das bleierne Herz und die tote Schwalbe. Fortan lebten die kleine Schwalbe und der glückliche Prinz auf ewig in Gottes Reich.

(Die Kurzfassung basiert auf dem Kunstmärchen „Der glückliche Prinz“ von Oscar Wilde)


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